Landschaftsfotografie  

Welche Brennweiten braucht man?

Die Frage ist schnell zu beantworten. Die Superzoom-Bridgekamera hat alle Brennweiten in einem Objektiv. In den weitaus meisten Fällen reichen Brennweiten von 28 - 200 mm* aus, wobei die Lichtstärke für diesen Einsatzfall eher zweitrangig ist. Mit größerer Brennweite lässt sich in interessanter Weise die Perspektive zusammenziehen. Weiter Entferntes erscheint im Verhältnis zum Vordergrund größer. In Sonderfällen, wenn zum Beispiel die Sonne über fernen Bergen oder über dem Wasser möglichst groß abgebildet werden soll, kann auch volle Teleeinstellung mal nützlich sein. Mit einem sehr kurzen Brennweite werden die Proportionen stark zugunsten des Vordergrundes verschoben.
*)Brennweitenangaben beziehen sich auf Kleinbild 24 x 36 mm. Da viele Digitalkameras einen kleineren Sensorchip haben, sind die Brennweiten im entsprechenden Verhältnis kürzer.

Zweimal der Leuchtturm von Norderney: Das Weitwinkel-Objektiv betont den Vordergrund.
Sonnenaufgang: Das Teleobjektiv lässt Entferntes größer erscheinen.

Belichtungskorrekturen

Glücklicherweise arbeitet bei den heutigen Kameras die Belichtungsautomatik so gut, dass man sich um eine Korrektur nur in einigen Fällen zu kümmern braucht. Es reicht in der Regel eine mittenbetonte Integralmessung. Verfügt die Kamera zusätzlich über weitere Messmöglichkeiten und -programme, können natürlich auch diese anstelle von Belichtungskorrekturen eingesetzt werden. Beispielweise lässt sich ein dunkleres Motiv in einer Schneelandschaft auch direkt mit der Spotmessung anpeilen. Nutzt man diese Möglichkeiten aber nur selten, unterlaufen einem bei der manchmal komplizierten Bedienung leicht Fehler. Hier noch eine Möglichkeit ohne Korrektureinstellung: Kamera etwas nach vorn kippen, dass die Landschaft den Hauptanteil des Sucherbildes einnimmt, Belichtungsspeichertaste gedrückt halten, wieder hoch schwenken und fotografieren. Im Zweifel lieber zu knapp belichten und hinterher im Bildbearbeitungsprogramm aufhellen. Bei zu hellen Bildern mit ausgefressenen Lichtern ist nichts mehr zu machen.

Eine Hilfe bietet das Histogramm, das sich ins Display einblenden lässt. Es zeigt die Verteilung der Helligkeitsstufen oder Tonwerte im Bild. Rechts liegen die hellen Töne bis Weiß, links die dunklen bis zum Schwarz am linken Rand. Drängt sich die angezeigte Kurve an den linken Rand, während rechts Platz ist, wird die Aufnahme unterbelichtet und umgekehrt. Mit der +/- Einstellung können Sie die Kurve in Richtung Mitte verschieben - aber nicht ganz bis an den rechten Rand. Dann könnten kleinere helle Stellen schon ausgefressen sein.

Für Extremfälle mit sehr hohen Kontrasten haben manche Kameras einen "HDR-Modus" (high dynamic range). Dabei werden in schneller Folge einige Aufnahmen gemacht, aus der die kamerainterne Software zwei Bilder so kombiniert, dass sowohl die hellen als auch die dunklen Bereiche durchgezeichnet werden. Nicht anzuraten ist der HDR-Modus, wenn Personen im Bild sind, die sich bewegen. Dann kann schon mal ein Arm fehlen, oder schlimmer, der halbe Kopf... Auch Laub, das sich im Wind bewegt kann hinterher recht merkwürdig aussehen. Da gibt es vieleicht neben den grünen auch blaue Blätter. Es gibt auch käufliche und kostenlose HDR-Programme. Das kostenlose "Luminance HDR" habe ich ausprobiert - aber die Ergebnisse waren bisher alles andere als berauschend. Bessere Ergebnisse bringt die HDR Software in der kostenlos herunterladbaren "Google Nik Collection". Leider muss man alle darin enthaltenen 7 Programme/Plugins (466 MB) gemeinsam herunter laden und installieren.

Winter auf dem Kandel, Schwarzwald: Belichtungskorrektur +1 Reifkristalle im Gegenlicht: Speichertaste anstelle Korrektur, Messung auf den Himmel

Filter für die Landschaft?

Es ist fast eine Weltanschauung, ob man Filter überhaupt einsetzen soll oder nicht. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass jede Abbildung auf einem Film oder Chip immer nur eine annähernde Abbildung der Wirklichkeit ist. Das wird schnell klar, wenn man früher mit verschiedenen Diafilmen dasselbe Motiv praktisch gleichzeitig fotografierte. Denken Sie nur an das bekannte "Fuji-Blau" oder das "Agfa-Rot", oder an den mit hoher Farbsättigung ausgestatteten Kodak EBX. Selbst bei knapper Belichtung sieht ein Motiv anders aus als "richtig" belichtet. Die Argumentation der Filterablehner, dass mit einem Filter die Wirklichkeit verfälscht werde, klingt vor diesem Hintergrund reichlich naiv.

Nun ändert sich die Farbtemperatur des Lichtes im Tagesverlauf. Mittags ist das Licht blauer, morgens und abends weniger. Will man das korrigieren, gibt es dazu Skylight-Filter und andere Korrekturfilter in mehr oder weniger starkem Rosa oder Beige. Schneller als Filter putzen und aufschrauben ist die Korrektur über den Weißabgleich. Abgesehen davon, dass die Mittagszeit sowieso fürs Fotografieren auch wegen des hohen Sonnenstandes im Sommer nicht ideal ist, kann man seine Digitalbilder vor dem Ausdrucken mit einem ordentlichen Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeiten, kann meist unter "Farbbalance" oder ähnlich, den mittäglichen Blaustich mit einer kleinen Bewegung des Schiebereglers von Blau nach Gelb und von Cyan nach Rot ausgleichen.

An der See und im Gebirge, so wird empfohlen, soll auf jeden Fall ein UV-Filter aufgesetzt werden, da dort die ultraviolette Strahlung höher ist. Für UV-Licht sind normale Fotoobjektive nicht korrigiert. Theoretisch wird also ein unscharfes UV-Bild das scharfe Bild aus sichtbarem Licht überlagern, was angeblich zu unscharfen Bildern führt. Vielleicht ist das im Himalaya tatsächlich der Fall - bis in Höhen über 4000 m in den Alpen habe ich jedenfalls davon nichts feststellen können. Um auf den Chip zu kommen, muss das UV-Licht ja zunächst durch die dicken Objektiv-Gläser - und haben Sie schon mal versucht, hinter einer Fensterscheibe braun zu werden? Da können Sie lange warten. Unschärfen entstehen meist durch Verwackeln. Bleibt noch das Argument, dass das Filter die Frontlinse schützt. Vielleicht benutzen Sie für diesen Zweck doch besser einen Objektivdeckel.

Signalkuppe 4554 m und Parrotspitze im Monte Rosa Massiv. Standort Lisjoch 4200 m. Kein UV-Filter aber Korrektur +1! Ende Juni im Dovrefjell. Ein Polfilter kann Ferne und Farben klären.

Nun haben wir schon zwei "ganz wichtige" Filter zurück in den Schrank gelegt. Das können wir künstlerisch weniger Ambitionierten auch getrost mit Farb- und Effektfiltern tun. Bei der Farbfotografie draußen sind die Ergebnisse eher enttäuschend unnatürlich. Ausnahmen mögen auch hier die Regel bestätigen. Außerdem bieten die meisten Kameras dazu genügend "Kreativprogramme" an (die man auch nicht braucht).

Grauverlauffilter mildern den Kontrast zwischen zu hellem Himmel und Landschaft. Insbesondere bei bedecktem aber hellem Himmel wird die Landschaft, auf die es ankommt, leicht zu dunkel. Bei solch schlechtem Licht fotografiert man höchstens auf Reisen, wenn man keine andere Wahl hat. Aber es gibt eben auch Fälle, vor allem bei Gegenlicht, da kann ein graues Verlauffilter schon Vorteile bringen. Es ist von einer Seite des Randes her zur Mitte abnehmend grau eingefärbt. Es gibt Filter zum Aufschrauben vor die Frontlinse. Besser sind Filter als verschiebbare und drehbare Scheibe, die sich besser an die landschaftlichen Gegebenheiten anpassen lassen. Diese Filter kann man in verschiedenen Stärken meist nur auf Bestellung erhalten. Einen sichtbaren Effekt bringen sie erst ab 50%. Auf jeden Fall aber auch eine Aufnahme ohne Filter machen! Viele neuere Kameras bieten auch ein "HDR"-Programm (High Dynamic Range - siehe auch oben). Gezielter lässt sich das Bild später nachbearbeiten, z. B. mit dem kostenlosen Programm JPG-Illuminator. Damit lässt sich auch ein Farbstich ausgleichen, ein schiefer Horizont ausrichten, und und und... Ein Filter jedoch kann man ab und an mit Erfolg einsetzen:

Das Neutralgraufilter wird dort eingesetzt, wo aus gestalterischen Gründen eine lange Belichtungszeit erforderlich ist. Wer gern am Wasser (Küste, Fluss, Bach, Wasserfall) fotografiert, wird hin und wieder eine weiche Darstellung des Wassers anstreben, damit es nicht wie erstarrt aussieht. Hier kommt das Neutralgraufilter zum Einsatz - allerdings immer mit Stativ. Gute Erfahrungen habe ich mit der im Beispiel genannten Stärke gemacht. Damit kommt man auch bei Sonne noch zurecht, selbst wenn man nicht die kleinste Blende einstellt. Am besten macht man eine kleine Belichtungsreihe, denn nicht immer ist die längste Belichtungszeit optimal. Beispiel mit FZ200, Stativ, Graufilter ND 1,8 (64x), 45 mm, f 2,8, 1/5 s, ISO 100.

Ein Polfilter lässt nur Licht einer bestimmten Schwingungsebene ungehindert passieren. Deshalb sind Polfilter drehbar. Abseits aller Theorie wirkt sich das in der Landschaftsfotografie so aus, dass Dunst durchsichtiger wird, die Bilder also an Klarheit gewinnen, wenn die Einstellung stimmt. Leider auch hier kein Vorteil ohne Nachteile: Mit dem Dunst, der die "atmosphärische Perspektive" ausmacht, verschwindet auch ein gewisser Eindruck der Tiefe ins Bild hinein. Die stärkste Wirkung bringt ein Polfilter etwa im rechten Winkel zum Sonnenstand. Daraus folgt, dass der Einsatz beim Weitwinkel kritisch ist. Man sieht es meist erst, wenn es zu spät ist, dass nämlich der Himmel an einer Seite dunkler ist als an der anderen. Die besten Ergebnisse erhält man bei Normal- und Telebrennweiten. Polfilter lassen sich auch gegen zu starke Reflexe z. B. auf Blüten- und Laubblättern einsetzen. Ein richtig gedrehtes Polfilter kann auch die Spiegelungen auf Wasseroberflächen so vermindern, dass Fische im Flachwasser fotografierbar werden. Aufpassen: Es gibt Polfilter in Linear- und Zirkularausführung. In der Wirkung sind sie gleich, die Ersteren sind zwar billiger, können aber abhängig vom Belichtungsmesssystem nicht an allen Kameras eingesetzt werden. Universell anzuwenden sind Zirkular-Polfilter. Immer auch ein Bild ohne Polfilter machen!


Dezemberabend in Saarburg: Stativ, 3,2s, Bl.2,8, ISO-100 Belichtungskorrektur +1,7

Wer schleppt denn noch ein Stativ?

Natürlich braucht man nicht für jede Landschaftsaufnahme ein Stativ. Andererseits gibt es Leute, die keine Kompromisse eingehen wollen und stets mit einem Stativ herumlaufen. Doch auch für den "gemäßigten" Landschaftsfotografen geht es manchmal kaum ohne Stativ: Sie wollen das Wasser eines Baches so abbilden, dass man es fließen sieht. Also Kamera aufs Stativ, kleinste Blendenöffnung, am besten noch dazu Neutralgraufilter und möglichst lange Belichtungszeit. Sie möchten abends das Rauschen in den dunklen Bildstellen vermeiden: Niedrige Empfindlichkeit einstellen und Stativ benutzen. Die eingebauten Bildstabilisatoren haben das Verwacklungsproblem zwar entschärft - ein Stativersatz sind sie nicht.

Text und Bilder: Dieter Ackermann 2007/2013/2016

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