O-Ton Aufnahme und Wiedergabe  

O-Ton Aufnahmen

Vom Cassetten- zum Digital-Recorder

Kaum größer als eine Zigarettenschachtel ist der Minidisc-Recorder. Sony und Sharp sind die bekanntesten Hersteller.

Für Ihren Lichtbildervortrag wäre es natürlich das "Tüpfelchen auf dem i", wenn Sie zum Bild eines Drosselrohrsängers auch noch dessen knarrende Stimme hören lassen könnten. Übrigens "O-Ton" steht für Originalton. Früher musste man sich dazu einen guten Cassettenrecorder kaufen, der rund tausend Mark kosten konnte. Heute gibt es digitale Aufnahmegeräte für einen Bruchteil des Preises. Eigentlich wären die MP3 - Player ideal als kleine leichte Geräte - wenn es sie als Recorder mit ordentlichem Mikrofoneingang gäbe, dachte ich damals. Die gibt es nun endlich - siehe unteren Absatz: ZOOM H2 Handy-Recorder.
Als mein alter kleiner Cassettenrecorder seinen Dienst endgültig aufkündigte, legte ich mir erst einen Minidisc-Recorder zu, später noch einen zweiten. Falls Sie auch solch ein Gerätchen kaufen wollen, das nur wenig größer ist als eine Zigarettenschachtel, achten Sie darauf, dass es auch einen Mikrofon-Eingang hat. Den sparen sich wie beim MP3-Player die Hersteller heute gern, weil der Normalkäufer nur Musik von der CD oder aus dem Internet überspielen will. Das geht analog per Kabel oder digital über Glasfaser. Einen Digitalausgang haben die kleinen MD-Recorder allerdings nicht. Sie können sich denken warum. Auf die Silberscheibe, die wie eine verkleinerte Diskette in einer Plastikhülle steckt, passen 72 oder 80 Minuten Musik in einer Qualität, die ich nicht von der einer guten CD unterscheiden kann - oder eben Ihr selbst aufgenommener Originalton. Selbst in doppelter Kompression - das heißt 160 Minuten auf einer Minidisc - ist die Aufnahmequalität erstaunlich gut.

Noch besser sind die Bearbeitungsmöglichkeiten der Aufnahmen im Gerät. Nicht zufrieden stellende Passagen können ganz oder teilweise wieder gelöscht werden. Jeder Aufnahme wird automatisch eine fortlaufende Nummer zugewiesen, unter der man sie wie beim CD-Spieler sofort aufrufen kann. Die Aussteuerung funktioniert automatisch oder nach einigem lästigem Durchtippen durchs Menü auch von Hand. Nachteilig ist das laute Laufgeräusch, wenn zu Beginn einer Aufnahme der Schreibarm im Schnellgang in die richtige Position fährt. Das nimmt das Mikrofon natürlich auch auf. Die ersten 5 Sekunden einer Aufnahme sind so nicht zu gebrauchen. Nach Stiftung Warentest waren übrigens die getesteten Sharp-Geräte im Mikrofon-Eingang den Sony-Geräten überlegen.

Doch die Technik schreitet weiter. Der ZOOM H2N Handy-Recorder ist eine Weiterentwicklung des MD-Recorders aber ohne Laufwerk. Die Tonaufzeichnung erfolgt digital auf SD-Karten. Stereomikrofone sind eingebaut. Eine mehrseitige, gute Information bietet die Internetseite www.sound-service.eu/texte/zoom/ZOOM_H2.htm

Das Mikrofon

Technische Mikrofondaten

Empfindlichkeit
Offenbar um Verwirrung zu stiften, gibt es mal Angaben in mV/µbar, in mV/Pa, oder in dB (bezogen auf 1 V). Da 1 µbar = 0,1 Pa ist, bereitet die Umrechnung hier keine Schwierigkeiten. Anders bei der dB-Umrechnung, denn dieser Wert ist der 20-fache Logarithmus des Verhältnisses der Ausgangsspannung zu 1 V (also -dB = 20 log(xV/1V). Da das alles sehr unanschaulich ist, hier ein Tipp: Ein für uns brauchbarer Wert ist
5,6 mV/Pa oder größer,
0,56 mV/µbar oder größer,
-65 dB oder größer (Vorsicht: größer heißt hier die kleinere Zahl, da ein Minuszeichen davor steht!)

Impedanz
Eigentlich soll die Impedanz oder der Innenwiderstand des Mikros dem Verstärkereingang angepasst sein, um keine Energie zu verschenken. Sony z. B. gibt listigerweise den erforderlichen Innenwiderstand des MD-Recorders gar nicht erst an, denn man soll ja ein passendes Sony-Mikrofon kaufen. Erfahrungsgemäß kommt man aber mit Impedanzen zwischen 1 und 2 kOhm zurecht.

Die meisten angebotenen Mikrofone sind für einen normalen Verwendungszweck konzipiert: Sie sollen nämlich dicht an der Schallquelle Gesang, Sprache oder die Laute eines Musikinstrumentes aufnehmen. Die Empfindlichkeit soll also eher gering sein, um Rückkopplungen zu vermeiden. Für O-Tonaufnahmen draußen in der Natur brauchen Sie aber eine hohe Empfindlichkeit. Die technischen Daten geben auch Auskunft über die Empfindlichkeit. Leider herrscht auch auf diesem Sektor keine Einheitlichkeit in der Maßeinheit. Worauf Sie achten sollten, lesen Sie im Kasten.

Mikrofonbauarten

Außer in Sachen Empfindlichkeit gibt es bekanntlich auch Unterschiede in der Bauart. Am gebräuchlichsten sind Monomikrofone. Stereomikros übermitteln im Gegensatz dazu auch den räumlichen Klangeindruck mehr oder weniger gut. Die Charakteristik beschreibt die relative Empfindlichkeit in Bezug zur Richtung, aus der die Schallwellen kommen. Grob unterscheidet man zwischen Kugel-, Achter-, Nieren- und Keulen-Charakteristik. Die Kugel nimmt aus allen Richtungen gleich gut auf. Die Achtercharakteristik hat gleiche Empfindlichkeit nach vorn und hinten. Richtmikrofone verwenden Superniere oder Keule. Eine besonders starke Richtwirkung für hohe Töne bringen Parabolmikrofone. Dabei darf die Schüssel aber nicht zu klein sein. Die oft angebotenen 30 cm-Schüsseln bringen zu wenig.

Nach dem Prinzip der Schallumsetzung in elektrische Schwingungen unterscheidet man dynamische Mikrofone, die etwa umgekehrt wie ein Lautsprecher arbeiten. Kristallmikrofone beziehen das elektrische Signal nach dem Piezo-Effekt aus der Verformung eines dünnen Kristallplättchens, Kondensatormikrofone (die hochwertigste Bauart), aus der Kapazitätsänderung zwischen einer von den Schallwellen angeregten schwingenden Folie und einer festen Platte. Elektret-Mikros arbeiten auch nach diesem Prinzip, die metallisierte Membran trägt aber hier noch ein Plättchen aus Elektret-Material. Das ist ein Kunstharz, das analog zum Dauermagneten ein permanentes elektrisches Feld besitzt. Theoretisch braucht ein Elektretmikro damit keine Speisespannung, praktisch ist sie aber doch erforderlich, da in die Mikrofonkapsel meist schon ein kleiner Vorverstärker integriert ist.

Für unseren Einsatzzweck kommen kommen wir am besten mit Elektretmikrofonen zurecht. Sie sind nicht zu teuer und haben in der Regel einen ausreichenden Frequenzbereich von 20 oder 30 Hz bis etwa 17 oder 18 kHz. Sehr tiefe Frequenzen kommen in der Natur außer durch den störenden Wind kaum vor.

Digitalmikrofone
Sogenannte Digitalmikrofone sind nichts anderes als normale Analogmikros mit Analog/Digital-Wandler. Letzterer ist aber im MD-Recorder enthalten. Digitalmikrofone bringen nur Vorteile bei überlangen Anschlusskabeln. Sie erfordern zudem einen besonderen Digitaleingang ins Aufnahmegerät. Sie sind also für unsere Zwecke nicht nützlich.

Die Tonaufnahme

Der Hochpass

Haben Sie in der Aufnahme eines Vogelkonzertes das störende Wummern des Windes, so brauchen Sie sie nicht gleich zu löschen. Ein Hochpass ist eine kleine elektronische Schaltung, die nur aus einem Kondensator besteht. Wenn Sie nun Ihre Aufnahme auf ein anderes Speichermedium überspielen, führen Sie die gemeinsame Masseleitung einfach durch. Die beiden Stereokanäle aber leiten Sie je (in Reihenschaltung) über einen gleich großen Kondensator (gibt es im Elektronikhandel für wenige Cent). Je kleiner die Kapazität des Kondensators ist, um so weniger lässt er tiefe Töne durch. Zu kleine Kapazitäten allerdings lassen die Aufnahme "spitz" klingen. Ich habe mir ein Zwischenkästchen gebaut mit Eingangsbuchse, Ausgangsbuchse und einem Wahlschalter mit dem ich je Kanal drei verschiedene Kapazitäten (22 nF, 10 nF und 3,3 nF) zur Auswahl zwischenschalten kann.

Wenn Sie nicht den Ehrgeiz haben, einzelne Vogelstimmen aus der Vielfalt herauszuarbeiten wie etwa auf den professionellen Aufnahmen von Vogelstimmen-CDs, dann sollten Sie besser das ganze Konzert aufnehmen, wobei der Solist (über die Lautstärke) den Ton angibt. Das bringt Sinn, denn jeder Lebensraum hat eine andere Stimmenzusammensetzung im Chor. Wenn das Ergebnis nicht enttäuschend sein soll, brauchen Sie allerdings ein Stereomikrofon. Auf die unhandliche Parabolschüssel können Sie dann verzichten.

So ausgerüstet gehen Sie also in den Wald und nehmen Ihre ersten Klangbilder auf. Da Sie beim MD-Recorder während der Aufnahme mithören können, fällt Ihnen vielleicht dabei schon auf, mit welcher akustischen Umweltverschmutzung wir es fast überall zu tun haben. Wenn im Hintergrund ausnahmsweise gerade nicht der Straßenverkehr zu hören sein sollte, kommt bestimmt das nächste Flugzeug. Ein weiteres Problem ist der Wind, der im Blätterdach nicht nur ein lautes Rauschen verursacht, sondern trotz Windschutz aus Schaumstoff zu allem Überfluss ein störendes Wummern erzeugt. Bei letzterem Fehler ist die Aufnahme aber oft noch mit einem kleinen Trick später beim Überspielen zu retten. Wie das geht, lesen Sie im Kasten rechts.

Das leidige Rauschen

Jedes Mikrofon und jede Verstärkerschaltung mischen, vom Wind mal ganz abgesehen, dem erwünschten Nutzsignal auch ein unangenehmes Störsignal, das Rauschen bei. Letzlich ist das nicht ganz zu vermeiden, denn es handelt sich auch um das "thermische Rauschen", das nur am absoluten Nullpunkt (0 K = -273 °C) verstummt. Wichtig ist deshalb das Verhältnis von Nutzsignal zu Störsignal. Leider steht das weder in den technischen Daten noch weiß der Verkäufer im Laden damit etwas anzufangen. Er wird Ihnen erklären, dass Sie das teurere Mikro kaufen sollen, weil das "natürlich besser" sei.

Bleiben Sie skeptisch bei noch so schöner Werbung für "Rauschunterdrückungssysteme". Zu DM-Zeiten bin ich auf ein analog arbeitendes Gerätchen für achtzig Mark hereingefallen. Grundsätzlich arbeiten solche Schaltungen so, dass der Lautstärkepegel bei fehlendem oder leisem Nutzsignal herunter gefahren und bei einsetzendem Signal wieder hoch gezogen wird. Das klappt auch, aber mit geringen Verzögerungen. Damit bearbeitete Aufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass die Vögel mit "weichem Einsatz" singen und dass es mal leise und zwischen den Tönen einer Vogelstrophe laut rauscht.

Mikro Marke Eigenbau

 

Wenn man gerade etliche Euro für einen Recorder ausgegeben hat, wird das Budget möglicherweise erst einmal aufgebraucht sein. Wenn es dann für ein 100 oder mehr Euro teures Mikrofon nicht mehr reicht, brauchen Sie keinen Bankeinbruch zu planen. Fangen Sie doch erst einmal mit einem selbst gestrickten Mikro an. Die Tonqualität in Stereo ist erstaunlich gut. Man nehme:

Pos. 1: 1 Kupferrohr (Wasserleitung) 15 x 1 x 150 mm
Pos. 2: 2 Alu-Scheibe 40Ø x 2 mm
Pos. 3: 4 Zylinderschrauben M3 x 5 mm
Pos. 4: 1 Schaumstoff-Isolierschale (für Wasserleitung) 40/15 x 150 mm
Pos. 5: 2 Windschutz aus Schaumstoff
Pos. 6: 2 Gummihalterung für Kapsel
Pos. 7: 2 Elektret Mikrofonkapseln (Niere) z.B. Conrad B.Nr. 302180
Kabel : 1 Anschlusskabel 2 x 0,2 mm², einzeln geschirmt, 1,2 - 1,5 m lang, mit angespritztem 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker

Das Stück Rohr und die Isolierschale haben Sie bestimmt noch im Keller liegen, etwas Alublech sicher auch, aus dem Sie die Scheibe herstellen. Das Innenloch sollte im Durchmesser möglichst gut der Mikrokapsel bzw. deren Halterung angepasst sein. Die Scheiben kleben Sie mit Zweikomponentenkleber auf die Rohrenden. Mikrofonkapseln, Windschutz und Anschlusskabel erhalten Sie im Elektronikbauteile-Handel. Bei der Auswahl der Mikrokapsel gelten die gleichen Empfehlungen wie für fertige Mikrofone (siehe oben). Für die Spannungsversorgung der Kapseln brauchen Sie nicht zu sorgen, die kommt vom MD-Recorder. Falls Sie keine Gummihalterungen für die Kapseln bekommen, können Sie sie vorsichtig und wieder lösbar in die Scheiben einkleben, nachdem Sie die Adern, wie rechts gezeigt, angelötet haben. Die Abschirmung = Masse kommt jeweils an den Lötpunkt der Kapseln, der mit dem Außenkörper verbunden ist und an das Kupferrohr. Vorsicht beim Löten: Kapsel nicht überhitzen.

Die Wiedergabe

Wenn Sie nun genügend Tonaufnahmen zusammen haben, müssen Sie sie zunächst für die Wiedergabe vorbereiten. Das Überspielen kann auf einen zweiten Recorder oder auf den PC erfolgen. Machen Sie sich zunächst einen "Fahrplan":

- Bei welchem Bild soll welcher Ton starten?
- Während wieviel Bildern in Folge soll der Ton laufen, also wieviele Sekunden?
- Welche Lautstärke? Sie wollen beim Vortrag schließlich nicht immer am Lautstärkeregler drehen.
- Weicher oder harter Einsatz?

Der letzte Punkt verlangt schon nach einem kleinen Mischpult oder einfach einem Doppelpoti. Wenn Sie auf den PC überspielen, können Sie auch dort mit dem passendem Programm langsam einblenden. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, langsam auszublenden. Das brauchen Sie beim Vortrag als Vorwarnung, bevor Sie "Stopp" drücken müssen. Sonst kommt gleich der nächste O-Ton, und der passt bestimmt nicht dahin. Wenn alle Aufnahmen fertig bearbeitet sind, überspielen Sie sie am besten zurück auf den MD-Recorder, denn dort können Sie nach Belieben ändern, was mit der gebrannten CD bekanntlich nicht geht. Beim Vortrag verbinden Sie den MD-Recorder mit Verstärker und Lautsprechern - und wenn Sie vorher genügend geübt haben, wird es auch klappen. Ersatzweise betraut man eine Assistentin oder einen Assistenten mit der ganzen Tontechnik. Dann können Sie sich ganz ihrem Vortrag widmen und brauchen nur die Bilder weiter zu schalten. Nutzen Sie Powerpoint, können Sie die vorbereiteten Tondateien dort auch zu den passenden Bildern laden.

Viel Erfolg wünscht Ihnen Ihr
Dieter Ackermann