Zwanzig Jahre AGON zurück  

Ein schönes Hobby?

"Sie haben aber ein schönes Hobby", bemerkte eine Dame im letzten November an unserem Ausstellungsstand. Unser Mann mußte erst kräftig schlucken, ehe er die Fassung wieder gewann. Da hatte er sich doch wirklich alle Mühe gegeben, unsere Arbeit und unser Engagement um den Naturschutz richtig zu schildern und dann diese Bemerkung. Als ob Naturschutz einfach nur ein Hobby wäre und keine bittere Notwendigkeit! Erst im Nachhinein wurde uns bewußt, daß ohne Freude an diesem Tun kaum jemand aus purer Einsicht in die Zusammenhänge jahrelang ohne Vergütung arbeiten, seine Zeit opfern und die Fahrtkosten auch noch selbst tragen würde.

Die Freude an der Natur in ihrer ganzen Vielfalt ist das Band in unserer Gruppe, das uns verbindet und das uns die Motivation zur Arbeit gibt. Ohne das Hobby geht es also offenbar nicht. Vielleicht hat die Dame das damals schon so klar gesehen.

Im Frühjahr 1979 trafen sich zwölf Naturinteressierte unter dem Dach der Volkshochschule und beschlossen, eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Von diesen zwölf Personen sind heute nach 20 Jahren noch immer sechs aktive AGON-Mitglieder! Die Begeisterung für die gemeinsame Sache riß im Laufe der Jahre viele weitere mit, so daß wir heute eine recht leistungsfähige Gruppe mit vielfältigen Interessens- und Arbeitsgebieten sind. In der Überzeugung, daß nur Einigkeit stark macht, schlossen wir uns bald nach der Gründung dem Naturschutzbund Deutschland NABU (damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz) an.

Natürlich gab es auch immer wieder Rückschläge. Mitglieder verließen uns aus uns unbekannten Gründen oder weil die Zeit einfach nicht reichte, um an regelmäßigen Treffen teilzunehmen und wenn der Kontakt erst einmal abreißt... Besonders hart traf uns aber der Tod zweier damals sehr aktiver Mitstreiter, Wilhelm Brose (gest. 1991) und Siegfried Schmidt (gest. 1992). Brose als Mitbegründer der AGON betrieb erfolgreich unseren Anschluß an den NABU, und wo ständen wir mit unserer Flächensicherung ohne den Miterfinder Schmidt der AGON-Futterknödel. In seinem Garten wurden die ersten Knödel "geboren", die sich später als unser bedeutendes finanzielles Standbein entwickeln sollten.

Auch erfreuliche Vorkommnisse gab es. Schon 1983 wurde uns als Anerkennung für besondere Verdienste von der Stadt Schwerte der Preis zum Schutz der Umwelt verliehen. Auch später noch gab es diese Ehrung für die Leistung einzelner AGON-Mitglieder, für Wilhelm Brose (1990), für Kurt Staedtler und Klaus Bremshey (1992), für Wolfgang Pitzer (1994), für Renate Neuhaus (1995). Nachtrag: 1999 erhielt Heribert Grawe den Umweltpreis und 2003 wurde uns "in Anerkennung der hervorragenden Verdienste für das Wohl der Stadt Schwerte und ihrer Bürgerinnen und Bürger" die Stadtmedaille der Stadt Schwerte verliehen.

In zwanzig Jahren haben wir uns von mancher Vorstellung verabschieden müssen, haben manche Rückschläge erlitten, wenn Dinge einfach undurchführbar waren. Aber wir haben auch manches erreicht und einiges auf die Beine gestellt. Es wäre jedoch vieles, wenn überhaupt, dann zumindest nicht so zügig erreicht worden, wenn wir nicht von mehreren Seiten Hilfe erfahren hätten.

So sind wir der Stadt Schwerte dankbar für jede wenn auch kleine Unterstützung, sei es für Arbeitsmittel, für Nisthilfen, besonders aber für den von der Volkshochschule bereitgestellten Kellerraum unter der Turnhalle Villigst, den unsere Aktiven in vielen Arbeitsstunden zu einer stark genutzten Werkstatt mit Lagerraum ausgebaut haben. Überhaupt die Volkshochschule. Zwanzig Jahre hat sie uns die Treue gehalten, bietet uns ein "Zuhause" für unsere regelmäßigen Treffen, und wenn Ferien sind, dürfen wir uns im Jugendheim der Naturfreunde treffen, wofür wir beiden Organisationen herzlich danken.

Dankbar sind wir auch für die Unterstützung der Naturförderungsgesellschaft, für die tatkräftige Hilfe der "Werkstatt Unna" und vorher des "Umweltschutzprojektes", das die Stadt Schwerte leider aufgegeben hat.

Größter Dank gebührt aber denen, die mit ihrer Arbeit unser finanzielles Rückgrat stärken, die im Herbst Knödel mischen, formen, abbinden, verpacken, schleppen, auf dem Weihnachtsmarkt anbieten, die bei jedem Wetter im Winter auf dem Ebberg Birken abholzen, zerkleinern, wegschleppen und stapeln. Das hat mit Hobby wirklich nichts zu tun. Das ist einfach harte Arbeit.

Womit wir wieder bei der Dame mit ihrer Bemerkung über unser schönes Hobby wären. Vielleicht hat sie uns einfach eingeordnet in die gesamte Ausstellung des rührigen Heimatvereins Ergste, der den Hobbykünstlern der Umgebung damit eine Plattform gibt, ihre Werke einmal im Jahr öffentlich zu präsentieren. Wir sind dem Heimatverein dankbar, daß er uns die Gelegenheit gibt, Themen aus der Natur darzustellen und bei einem breiten Publikum für den Gedanken des Naturschutzes zu werben.

Dieter Ackermann, im Februar 1999