Welche Kamera darf es sein?  

Kompakt- oder Systemkamera?

Da möchte man in die Naturfotografie einsteigen, die zweifellos zu den anspruchsvollsten Bereichen des Fotografierens gehört und wird mit einer schier unübersehbaren Fülle verschiedenster Kameramodelle verwirrt. Ich möchte versuchen, etwas Ordnung in den Dschungel der Möglichkeiten zu bringen - natürlich mit meiner ganz persönlichen Meinung..

Kompaktkameras
Wer vor allem "Selfies" oder Familie knipst, der wird sein Immer-dabei-Smartphone ohnehin benutzen. Die Kompaktkamera bietet durch den erweiterten Brennweitenbereich schon zusätzliche Möglichkeiten. Für Landschaftsaufnahmen und Blumen ist man damit schon fürs Erste schon recht gut bedient. Sie hat zudem den Vorteil, dass sie klein, leicht und handlich ist, so dass man sie möglichst oft dabei haben kann. Wer gern in der Gruppe wandert, muss beim Fotografieren schnell sein, sonst sind die Begleiter schon verschwunden, ehe man die größere Kamera aus dem Rucksack gefummelt hat. Man wird sie also allein schon deswegen kaufen. Für Landschaftsfotos (und Fotos im Raum) ist der Weitwinkelbereich wichtig. Bezogen auf das Kleinbildformat ist 28, besser noch 24 mm wünschenswert. Bei Blumenfotos in Bodennähe ist Bodenturnen angesagt, denn ein klappbares Diplay fehlt meist. Der Telebereich ist bei den meisten Kompakten zu gering für Tieraufnahmen in freier Natur.

DSLR-Kameras (Digital Single Lens Reflex)
Die Spiegelreflex-Systemkamera ist vergleichsweise groß und schwer. Die Möglichkeit, Wechselobjektive einzusetzen, die Bildschärfe auf der Mattscheibe zu kontrollieren, den Nahbereich fast beliebig einzustellen und die weitgehenden Möglichkeiten von Handeingriffen machen sie vor allen anderen Apparaten zum idealen Werkzeug für den ambitionierten Naturfotografen. Leider ist auch allerhand Schlepperei mit der ganzen Ausrüstung verbunden. Die digitalen SLR-Gehäuse haben Sensoren, die von etwa 15x22 mm bis zum Kleinbild-Vollformat gehen. Gute Bildqualität, hohe Auflösung, wenig Bildrauschen auch bei hoher Empfindlichkeit sind die Vorteile. Dafür sind aber die Objektive auch größer, schwerer und teurer. Beim Objektivwechsel besteht die Gefahr, dass Staub eindringt und sich auf dem Sensor absetzt. Dagegen sollte die Kamera eine Reinigungsvorrichtung haben - der Kundendienst ist teuer und lästig. Ach ja - noch eine Kleinigkeit: Für die Preis einer anspruchsvollen Ausrüstung mit Objektiven und Zubehör könnten Sie auch einen PKW kaufen.

Spiegellose Systemkameras
Sie arbeiten ähnlich wie Bridgekameras, jedoch haben sie größere Sensoren wie bei DSLRs und es lassen sich die Objektive wechseln. Dem Vorteil der ruhigeren Auslösung ohne Spiegelschlag steht der Nachteil der schwierigeren Nachführung bewegter Objekte im Sucher gegenüber - wie bei Bridgekameras. Der Verzicht auf die Spiegelmechanik schlägt sich im Preis nicht nieder.

Superzoom-Bridgekameras
Als Brücke zwischen den Extremen liegt der Kompromiss in Form der Digitalkameras mit fest eingebautem Zoom-Objektiv mit großem Brennweitenbereich, einem äußeren (hoffentlich) schwenkbarem Display und einem zweiten, das im Sucher eingebaut ist. Die Preise liegen meist zwischen 300 und 1000 EURO. Im Telebereich kommen einige bis zu beachtlichen 1200 mm (z.B. Canon SX50) oder sogar bis 3000 mm (Nikon P1000). Qualitativ gute Tele-Fotos habe ich mit Letzterer allerdings bisher nicht gesehen. Im Weitwinkelbereich geht es jetzt meist bis 24 mm. Einige Hersteller bieten noch dazu einen Weitwinkel- und einen Televorsatz an (z.B. Panasonic). Wichtig für Aufnahmen in Bodennähe ist das schwenkbare Rückwanddisplay. Als Chipgröße scheint sich 1/2,3" (6,2x4,6 mm) durchzusetzen. Je mehr Megapixel darauf gequetscht werden umso stärker fällt das Bildrauschen auf, besonders bei hohen ISO-Werten. Bildrauschen stört besonders in unstrukturierten glatten oder unscharfen Flächen, die dadurch "grieselig" aussehen. Die Hersteller setzen dagegen kamerainterne Software ein. Auch für das fertige Bild gibt es Programme dagegen, entweder integriert ins Bildbearbeitungsprogramm oder separat. Oft gehen dadurch feine Details verloren.
Andererseits ist ein kleiner Sensor Voraussetzung, um handliche, leichte Kameras mit Objektiven bis zu hoher Telebrennweite überhaupt bauen zu können. Übrigens: Auch auf winzigen Chips schaffen es die Techniker 16 Mio. Pixel unterzubringen. Das ist zwar ein Verkaufsargument bringt aber keine bessere sondern eher schlechtere Bildqualität. Eine weitere Eigenart der kleinen Sensoren soll nicht verschwiegen werden. Der Diafotograf war es gewohnt, bei offener Blende eine Blume oder einen Vogel vor unscharfem Hintergrund "freizustellen". Das ist bei diesen Kameras nur bedingt möglich (Tele-Makro-Modus oder Nahlinse für mittlere Brennweiten).
Dafür ist die Tiefenschärfe ein großes Plus bei Makroaufnahmen. Der große Vorteil der Superzoom-Bridgekameras liegt in der Handlichkeit bei geringem Gewicht und dem großen Zoom-Bereich des fest eingebauten Objektivs. Das Schleppen großer Teleobjektive entfällt, und das Konto wird geschont. Noch ein Hinweis: Stöbern Sie mal die Seite Henner.info durch. Dort gibt es nicht nur "alles" zur Digitalfotografie sondern auch noch einen interessanten Vergleich zwischen Vollformat-DSLR und Superzoom-Kamera. Dass Superzoom-Bridgekameras für die Naturfotografie nicht taugen, ist ein gern gebrauchtes Vorurteil. Es kommt halt auf den Verwendungszweck der Fotos an. Dazu mehr im nächsten Absatz und unter "Naturfotografie mit der Superzoom-Bridgekamera".

Das geht auch mit der Kompakten:
Höckerschwäne auf dem Geiseckesee
Typischer Fall für die System- oder Bridgekamera:
Scheue Singschwäne als Wintergäste auf dem Möhnesee

Was habe ich vor mit meinen Fotos?
Diese Frage sollte sich eigentlich jeder zunächst stellen, der eine neue Kamera kaufen will. Wer Erinnerungen fürs Album knipst, braucht nur sein Smartphönchen oder eine Kompakte. Sind Telemotive wie Tiere angesagt, leistet die Superzoom-Bridgekamera bessere Dienste. Sollen die Bilder auf dem Fernseher angeschaut werden, als Druck an die Wand gehängt, ins Internet gestellt oder mit dem Beamer einer größeren Gruppe gezeigt werden, reicht dieser Kameratyp im Grunde völlig aus.
Wer seine Fotos an GEO, National Geografic oder Der Falke verkaufen will, wer über gute Ausschnittvergrößerungen den Telebereich erweitern will, wer Bildbände oder großformatige Kalender bestücken will, sollte mit der DSLR oder der spiegellosen Systemkamera fotografieren, denn er muss große, rauschfreie, gestochen scharfe Bilder mit 300 dpi Auflösung liefern.
Nun haben sich die Edel-Verlage zwar noch nicht bei mir gemeldet, aber geschätzte 40 Bilder von mir sind in Büchern und Zeitschriften teils auf Hochglanzpapier abgedruckt - und alle sind entweder mit der Kompakten oder der Bridge fotografiert bzw. sind eingescannte Dias. Fritz und Gisela Pölking meinen: "Es ist nicht die tolle Kamera die tollen Fotos macht, es ist der Fotograf der draußen ist und zur rechten Zeit am rechten Ort".
Allerdings sollte auch nicht verschwiegen werden, dass es in Fotoclubs, Communities und unter gestandenen Tierfotografen als "unfein" gilt, mit einer Bridge zu fotografieren. Wenn Sie das mitleidige Lächeln der Möchtegern-Profis mit ihren schwergewichtigen "Kanonenrohren" nicht stört, tun Sie's doch einfach. Doch das geht schon in die Psychologie... Wie sagte doch Wilhelm Busch: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert".

Megapixel helfen verkaufen:
Je mehr Megapixel um so "besser" die Kamera. So will es uns die Werbung weismachen und viele "Journalisten" blasen ins gleiche Horn. Da setzt man doch voraus, das auch das eingebaute Objektiv und die Kamerasoftware dazu passen. Misstrauen ist hier angesagt! Machen Sie einen einfachen Test: Fotografieren Sie ein detailreiches Objekt bei hellem Licht mit Stativ - also unter optimalen Bedingungen bei niedrigster ISO-Zahl und mit höchster Auflösung. Speichern Sie das Bild auf dem Computer und rufen Sie es mit der normalen Windows Bild- und Faxanzeige auf. Was Sie jetzt sehen, hat die Grafikkarte so heruntergerechnet, dass es auf den Bildschirm passt. Das Bild wirkt gestochen scharf. Klicken Sie nun auf "Tatsächliche Größe". Nun wird ein Bildausschnitt gezeigt, bei dem jedem Kamerapixel ein Monitorpixel entspricht. Wenn in Ihrer Kamera alles gut aufeinander abgestimmt ist, sollte der Ausschnitt fast* wie ein normal scharfes Bild aussehen. Lassen Sie sich überraschen. Das ist übrigens ein einfacher Test, den Sie vor dem Fotogeschäft mit kürzester, mittlerer und längster Brennweite und verschiedenen ISO-Einstellungen machen sollten, bevor Sie eine neue Kamera kaufen (Speicherkärtchen mitbringen). Sie kennen dann die Grenzen der Kamera - und Sie wissen was Rauschen bedeutet.
*) Je nach Kamera sind max. 80% der theoretisch darstellbaren Linien pro Bildhöhe möglich - und das auch nur in Bildmitte. Beispiel Kamera mit 12 MPx. Bildhöhe 3000 Px.: Theoretisch sollten 3000 Linien/Bildhöhe gezeigt werden, max. möglich sind 80% von 3000 = 2400 Linien. Praktisch erreicht werden bei den kleinen Sensoren mit dicht gepackten Pixeln von Kompakt- und Bridgekameras zwischen 1000 und 1600 Linien. Natürlich spielt dabei auch die Qualität des Objektivs eine entscheidende Rolle.

Zum Autofokus

Die manuelle Scharfstellung der Autofocusobjektive ist leider von vielen Konstrukteuren recht stiefmütterlich behandelt worden. Sie werden wohl oder übel mit den Nachteilen leben müssen. Sie können sich aber andererseits vor allem dann über die Vorteile des Autofokus freuen, wenn es schnell gehen muss - und das ist bei der Naturfotografie oft der Fall. Gerade bei bewegten Objekten wird oft mit hohen Bildfrequenzen über 5 Bilder/Sekunde gearbeitet, wobei der Autofokus mit der Schärfe folgen muss. Zu diesem Zweck arbeiten DSLRs mit zusätzlichen Phasenvergleichssensoren, im Prinzip ähnlich den früheren Schnittbild-Entfernungsmessern.

Genauer als der Autofocus per Phasenvergleich ist der einfacher zu realisierende Kontrast-Autofokus, über den bei manchen DSLRs zusätzlich die Feineinstellung erfolgen kann. Dazu wird auf dem Sensorchip, der für die Aufnahme sowieso da sein muss, der Kantenkontrast zwischen benachbarten Pixeln gemessen und optimiert. Er ist aber leider langsamer, weil zunächst das Objektiv hin oder her bewegt werden muss, um die richtige Einstellrichtung (näher oder weiter) zu bestimmen. Panasonic hat angeblich eine Möglichkeit gefunden, aus dem Unschärfeverlauf die richtige Richtung sofort zu ermitteln. Tatsächlich ist der Kontrast-Autofocus bei der FZ300 gegenüber dem Vorgängermodell schneller geworden.

In diesem Zusammenhang ist noch der prädiktive Autofokus zu nennen. Er ist als Rechensoftware unabhängig von den beiden genannten Bauarten und soll aus zwei Messungen nacheinander die Richtung und Geschwindigkeit des Objekts erkennen, um daraus schon die Einstellung für die nächste Aufnahme vorzunehmen.

Nun gibt es auf vielen Kameras drei Autofokus-Modi, die vor der Aufnahme gewählt werden können.
- AFS steht für still oder single autofocus für still stehende Objekte.
- AFC steht für continuous autofocus für sich bewegende Objekte und
- AFF oder AFA für flexible oder automatic autofocus. Hier entscheidet die Kamera ob sie Bewegung erkennt und welchen der beiden ersten Modi sie verwendet.

Und da wir schon bei den Einstellungen sind: Die Anzahl, Größe und Lage der Autofokusfelder kann ja auch noch eingestellt werden, dazu kommen noch Brennweite (Objektivwahl oder Zoom), Belichtungsmodus und -Korrektur, Weißabgleich, ISO Wert und und und... Wie lange soll es dauern bis man endlich zur Aufnahme kommt?

Praktikable Einstellungen
Für das Fotografieren von Vögeln wähle ich vor: AFF, kleinstes Autofokusfeld mittig, Modus A (Blendenvorwahl) Mittenbetonte Belichtung, Korrektur nach Erfahrung (meist -2/3 Stufen), automatischer Weißabgleich, ISO-Wert nach Umgebungshelligkeit. Für fliegende Großvögel habe ich im Modus C (customer) ein größeres Autofokusfeld ebenfalls mittig und als Belichtungskorrektur +1 (bei bedecktem Himmel evtl. noch mehr) voreingestellt. Trotzdem bin ich bei fliegenden Vögeln meist zu langsam.

Braucht man die vielen Programme?

Lassen Sie sich nicht von den ganzen tollen Kreativ- oder Szeneprogrammen beeindrucken. Die mögen auf anderen Gebieten vielleicht nützlich sein, in der Naturfotografie sind sie kaum einen Euro wert. Hier brauchen Sie eigentlich nur die ganz einfache Zeitautomatik mit Blendenvorwahl (oder Programmautomatik). Sehr angenehm ist zwar die Möglichkeit einer Spotmessung - aber nur, wenn man ohne langes Suchen im Menü daran kommt. Der Nachteil dabei ist bei Sonne das Ausbrennen heller Stellen, die nicht zum angemessenen Motiv gehören. Die Digitalkamera sollte eine Möglichkeit haben, den automatischen Weißabgleich abzuschalten. Sonst werden Aufnahmen mit einer beherrschenden Farbe, z. B. Abendhimmel, manchmal enttäuschend farblos. Ersatzweise geht das auch mit einem Programm für Nachtaufnahmen. Bei unbewegten Motiven und sehr starken Kontrasten kann das HDR-Programm hilfreich sein.

Digitalisieren von Dias

Das war natürlich der Nachteil beim Dia: Die Unsicherheit, ob das Bild gut geworden ist, hielt an bis zum Abholen der fertig entwickelten Films. Dafür gab es aber auch eine Auflösung und Farbwiedergabe, die mit einem guten Diaprojektor in hoher Qualität auf die Leinwand gebracht werden konnte, und das auch noch relativ preiswert.

Doch wer fotografiert heute noch auf Diafilm? Auf der anderen Seite haben sich über die Fotografenjahre jede Menge an Dias angesammelt, von denen wenigstens die besten digitalisiert werden sollten. Diascanner oder Flachbettscanner für Aufsichtsvorlagen, Dias und Farbnegative können von Dias recht einfach Digitalbilder herstellen. Die Ergebnisse sind mit Nachbearbeitung mehr oder weniger brauchbar, Fotos einer guten Digitalkamera sind jedoch besser, zumindest was die Darstellung unstrukturierter Flächen angeht, z. B. Blau des Himmels. Bei unterbelichteten Dias zeigen dunkle Stellen nach dem Scannen schlimmes Farbrauschen bis hin zu Farbabrissen mit Klötzchenbildung meist in Schwarz, Magenta und Grün. Das scheint auch mit der Alterung der Scannerlampe zuzunehmen.

Vor Jahren benutzte ich meinen Plustek 7200 Scanner, hatte aber immer eine Menge an Nachbearbeitung anzuhängen. Optimal belichtete Dias wurden gut in Digitalbilder umgewandelt, ältere hatten meist einen kräftigen Cyan- oder Magenta-Farbstich. Ohne Nachschärfung im Scanner machen alle Ergebnisse einen recht unscharfen Eindruck. Stellt man aber Nachschärfen mit ein, werden die Konturen zwar scharf, leider wird aber auch das Filmkorn, das sonst gar nicht auffällt, besonders deutlich.

Eine Alternative ist das Fotografieren der Dias. Das hatte ich zwar schon früher auch zu Analogzeiten versucht - aber die Ergebnisse ließen sehr zu wünschen übrig. Erst die immer noch vorhandene Panasonic FZ 50 (Teleeinstellung ca. 200 mm, 100 ISO, F= 8, weniger Kontrast) in Kombination mit der Raynox Nahlinse M-150 brachte endlich gute Ergebnisse. Vor allen Dingen ist die Zeitersparnis beim Digitalisieren vieler Dias mit einer einfachen Selbstbau-Vorrichtung enorm. Für die Hintergrund-Beleuchtung reicht bereits ein schräg zum Fenster geneigtes weißes Blatt Papier. Den Rest macht der automatische Weißabgleich der Kamera. Bei Lampenlicht ist etwas mehr Fummelei beim Weißabgleich zu leisten - aber eben nur einmal, wenn es bei derselben Lampe bleibt. Nur sollte man nicht glauben, dass keine Nachbearbeitung mehr erforderlich ist - es geht aber schneller.

Text und Bilder: Dieter Ackermann, im Okt. 07 - aktualisiert Aug. 13, Mai 15, Feb. 16, Mai 19

* Objektivbrennweiten beziehen sich auf Kleinbildfilm oder gleich großen Sensorchip.

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