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Blühendes Ruhrtal

Wer müßig will durch's Ruhrtal wandern
vereint vielleicht mit vielen andern -
die Aue hinunter, den Waldhang hinauf,
zu finden Blumen, und zwar zu hauf,
und endlich sie dann hat entdeckt,
vor ihrer Vielzahl oft erschreckt.
Die Fülle dieser Blütenpracht,
gemeinhin einige Umständ‘ macht.

Wer sich dennoch redlich mühet,
selbst zu bestimmen, was da blühet,
der braucht ‘ne Lupe, gute Ruh
und ein Bestimmungsbuch dazu.
Beäugt den Fund von allen Seiten,
läßt gern sich von Erfahrung leiten.

Er unterscheidet auf der Stelle,
Ajuga reptans und Prunelle,
nebst Taubnessel und Hohler Zahn,
der "stechend" heißt, weil er es kann.
Auch leicht er zu bestimmen weiß,
die vielen Arten Ehrenpreis,
die zierlich sind und auch bescheiden,
man mag sie eben deshalb leiden.

Leuchtend gelb die Königskerzen,
wärmen selbst die kühlsten Herzen.
Nachtschatten fällt auf‘s Gemüt,
wer Solanum dulcamara sieht.
Bänglich wird dem armen Tropf,
begegnet er dem Natternkopf,
der protzt mit einem Blütenwickel,
ein Döldchen nur ziert den Sanikel.

Hüt‘ er sich vor dem Eisenhut,
sein Gift fatale Wirkung tut.
Verlegen aber um sich spähet,
wer Stendelwurz mit Füßen tretet.
Die Epipactis säumt den Wegesrand,
stets besonderen Dung verlangt.
Denn Pflanzen sind, das ist erwiesen,
ganz auf den Standort angewiesen.
So gibt es "Kalk-" und "Säurezeiger",
so ähnlich wie ein "Zähler-Geiger".

Vom Bachrand grüßet Nelkenwurz,
dem Grasfrosch ist sie reichlich schnurz.
Die Vierfleck-Spinne auf der Minze,
sucht Beute hier – und diese find‘ se.
Den Käfer mehr das Labkraut freuet,
weil dick gepanzert er nichts scheuet.

Binsen und Seggen, die mögen das Nass,
zu ihnen gesellt sich auch Pfeifengras.
Erkunder dieser feuchten Sümpfe,
werden nass bis auf die Strümpfe.

Auf fetten Wiesen wächst viel Futter,
woraus die Kühe machen Butter:
Festuca, Poa nebst Gattung Bromus,
kein Rindvieh hier lang suchen muß.
Der stolze Bocksbart auf den Weiden
mag Sonnenschein nicht lange leiden.
Schon früh am Tag geht er zur Ruh,
macht seinen Blütenladen zu.
Du aber, beschaulicher Florenfreund,
genieße solange die Sonne noch scheint.
Gerhard Kochs